Reportagen, Essays, Hintergründe (Auswahl)

La epidemia de los trapos blancos

Las banderas blancas sobre los muros, puertas y paredes de lámina comenzaron a multiplicarse en la segunda quincena de mayo. Algunas estaban manchadas con frases demoledoras: “Tenemos hambre precidente”; “Necesitamos comida”. Lo que el presidente Nayib Bukele había vaticinado dos meses atrás para mediados de mayo era que la mitad de los salvadoreños (3,145,728) se habría contagiado de la COVID-19, no de la epidemia del hambre…

Mit Corona in die Diktatur

Die Fotos, die der Präsident über die Internetplattform Twitter verbreitete, erinnern an die dunkelsten Zeiten lateinamerikanischer Militärdiktaturen. Hunderte von Männern mit kahl rasierten Schädeln sind da zu sehen, nur mit weißen Boxer-Shorts und viele, aber nicht alle, mit einem Mundschutz bekleidet. Sie sitzen in langen Reihen in einer Halle, jeder die Beine um den Vordermann gelegt, das Gesicht auf dessen Rücken…

Probleme vor dem Fliegen

Der erste Spielfilm von 90 Minuten ist für jeden Filmemacher eine große Sache. In El Salvador ist diese Sache noch viel größer. In dem kleinen Land in Zentralamerika wurden in den vergangenen Jahrzehnten nur Dokumentarfilme gedreht – über den Bürgerkrieg zwischen 1980 und 1992 und seine Folgen, und zuletzt über die Gewalt der „Maras“ genannten Jugendbanden. In diesen Filmen wird viel geschossen. Brenda Vanegas aber arbeitet an einem eher stillen Spielfilm,…

Im Zeichen des Köters

Die Plaza Italia ist kein schöner Ort. Sie liegt da, wo das Zentrum von Santiago de Chile aufhört und das Geschäftsviertel Providencia beginnt. Zwei der wichtigsten Verkehrsadern der Sieben-Millionen-Einwohner-Stadt fließen hier vielspurig in einen Kreisverkehr. In dessen Mitte steht die Statue eines Reiters auf einem Stück Rasen. Der Mann auf dem Pferd stellt General Manuel Baquedano dar, den Chef des chilenischen Heers im Salpeterkrieg von 1879 bis 1883. Er hat fast alle Schlachten verloren…

Die Albtraum-Republik

Fiktion und Wirklichkeit liegen in Haiti oft nahe beieinander. „Ich hatte Joseph gesagt, dass während meiner Abwesenheit das Geschäft weitergehen solle wie üblich“, schrieb der britische Erfolgschriftsteller Graham Greene in seinem 1966 erschienenen Haiti-Roman „Die Stunde der Komödianten“. „Denn wer wusste, ob sich hier nicht ein paar Journalisten einige Tage aufhalten wollten, um eine Reportage über ein Land zu schreiben,…

Wenn das Geld im Müllsack kommt

Antonio Saca ist wohl der einzige ehemalige Präsident der neueren Geschichte, der im Frack verhaftet und so ins Gefängnis gebracht wurde. Seine Verwandten mussten ihm als erstes neue Kleider bringen, T-Shirts und bequeme Hosen. Es ist heiß in El Salvador und die Gefängnisse verfügen über keine Klimaanlage. Es geschah am 30. Oktober 2016. Sacas Sohn feierte seine Hochzeit…

Das endlose Ringen

Es gibt viele faktische Staatschefs auf der Welt, deren demokratische Legitimierung man anzweifeln kann. Man braucht da gar nicht Kim Jong-un in der Demokratischen Volksrepublik Korea erwähnen oder jeden beliebigen Prinzen oder Scheich von der arabischen Halbinsel. In Lateinamerika kann man an Juan Orlando Hernández denken, der sich mit einem windigen Urteil ihm höriger Richter als Präsident von Honduras wiederwählen ließ…

Es hätte anders werden sollen

Was wohl aus Nicaragua geworden wäre, wäre Jimmy Carter am 4. November 1980 für eine zweite Amtszeit als Präsident der USA gewählt worden? Wahrscheinlich wäre dem kleinen zentralamerikanischen Land der blutige Krieg gegen die rechten Contraverbände erspart geblieben. Vielleicht hätte der Schwung der Revolution, die am 19. Juli 1979 mit dem Sieg der Sandinistischen Befreiungsfront (FSLN)…

Erinnerung an einen Revolutionär

„Er war gefürchtet, arrogant, musste Recht haben, teilte aus“, schrieb sein Schüler, Kollege und Freund Dagle Avilés in einem Nachruf. „Er war anspruchsvoll und konnte um der Sache Willen auch repressiv sein.“ Carlos Vanzetti war, gelinde gesagt, kein einfacher Mensch. Mindestens ein Dickkopf, schon allein aus Gründen der Physiognomie: beeindruckende 62 Zentimeter Schädelumfang, umflort von dünn gewordenen graublonden Locken…

Die Angst vor dem Frieden

Noanamá liegt verloren im Dschungel. Rund 800 Menschen wohnen hier, und sie wissen auch, warum: Sie wollen in Ruhe gelassen werden. Zwei oder drei Familien der Emberá-Wounaan leben hier, alle anderen sind Afrokolumbianer. Ihre Vorfahren waren Sklaven. Sie waren entlaufen und haben sich in diesem unwirtlichen Gebiet versteckt. Der Dschungel rund um Noanamá gehört zu den regenreichsten Gegenden der Welt…

Erinnerung an Hugo Chávez, Simón Bolivar und andere Helden im Zentrum von Caracas.

Hugo Chávez ist tot

Venezuela ist ein seltsames Land geworden, widersprüchlich, bisweilen fast absurd. Da wird von einer humanitären Katastrophe gesprochen, von an die neunzig Prozent der Bevölkerung, die in Armut leben, von politischer Konfrontation und Repression. Es gibt einen Präsidenten und einen zweiten, der sich mit einer fadenscheinigen Berufung auf die Verfassung selbst zum amtierenden Präsidenten ernannt hat…

Die zwei Seiten der Barrikade

Wenn man einfach nur die Geschichte einer Familie erzählen will und dabei alle Namen unterdrücken muss, dann stimmt etwas nicht in diesem Land. Diese Geschichte handelt von einer Familie in Nicaragua und es werden keine Namen genannt. Nicht die von Personen, die geschützt werden sollen, damit sie nicht zu Opfern werden. Aber auch nicht die Namen von denjenigen,…

Das wilde Leben eines CIA-Agenten

Jetzt sind sie beide tot. Beide sind im Alter von 90 Jahren eines natürlichen Todes gestorben. Und das, obwohl beide über Jahrzehnte versuchten, den jeweils anderen zu töten. Der eine ist weltbekannt. Er hieß Fidel Alejandro Castro Ruz und starb am 25. November 2016 in seinem Haus in Havanna. Er war zumindest einmal ganz nahe dran, den anderen tödlich zu erwischen…

Freiheit ist schwarz

„Sklaven dürfen auf diesem Territorium nicht existieren, die Sklaverei ist auf ewig abgeschafft. Alle Menschen werden frei geboren, leben frei und sterben frei, als Franzosen.“ Dies ist der dritte Artikel einer Verfassung, die jedoch nicht in Frankreich geschrieben wurde. Sie wurde im Mai 1801 in der damaligen französischen Kolonie Saint Domingue (heute Haiti) verabschiedet und trat ohne Absprache mit der Kolonialmacht sofort in Kraft…

Die Einsamkeit des einstigen Volkshelden

Daniel Ortega spielt auf Zeit. Bald vier Monate dauern die Proteste gegen den Präsidenten Nicaraguas schon an. Mehr als 300 Menschen sind getötet worden, die allermeisten von Sicherheitskräften oder Paramilitärs, die der Regierung nahestehen. Ortega scheint darauf zu setzen, dass die Massendemonstrationen, die seinen Rücktritt fordern, erst kleiner werden und dann ganz verschwinden…

Durchscheinende Deko-Objekte aus Müll

Im zentralamerikanischen El Salvador ist Recycling für die meisten Menschen tatsächlich ein Fremdwort: ein fremdes Wort, dessen Bedeutung man nicht kennt. Es gibt keine Mülltrennung und keine Pfandflaschen, nicht solche aus Glas und schon gar nicht welche aus Plastik. In den Supermärkten verstauen Einpacker die Waren in unzähligen Plastiktüten. Die werden dann später mit Verpackungsmaterial gefüllt,…

Kein Castro mehr an der Spitze des Staats

Raúl Castro tritt ab. Am 19. April wird die Volkskammer von Kuba seinen Nachfolger im Präsidentenamt wählen. Er hatte es angekündigt: Zwei Perioden von jeweils fünf Jahren. Länger soll kein Regierungsfunktionär mehr sein Amt ausüben dürfen, nicht einmal ein Castro. Ein dritter nach Fidel und Raúl stand nie als Ersatzmann bereit. Vom 19. April 2018 an wird deshalb der höchste Repräsentant Kubas einen anderen Nachnamen tragen…

Leben vom Geld der Verwandten draußen

San Isidro sieht nicht aus wie eine Stadt der Arbeitslosen. Die meisten Straßen sind mit Natursteinen gepflastert, viele Gebäude frisch verputzt. Etliche folgen nicht mehr der traditionellen Architektur von eingeschossigen Häuschen mit Wänden aus einem Gemisch aus Lehm und Stroh und einem Dach aus Ziegeln. Es gibt ihn noch, den Baustil, der in den ländlichen Regionen El Salvadors üblich ist…

Mit der Kraft von Sonne, Wind und Vulkanen

Tocopilla liegt in einer malerischen Bucht am Pazifik. Davor der blaue Ozean, gleich dahinter der steile Aufstieg auf das 2.000 Meter hoch gelegene Plateau der Atacama-Wüste. Die Lage wäre nicht schlecht für eine mondäne Sommerfrische, aber das Städtchen ist das wohl schmutzigste in ganz Chile. Das liegt an den beiden Kohlekraftwerken unten am Hafen. Zwei Frachter werden dort gelöscht…

Wie der Frieden verspielt wird

Heiler Mosquera blutet aus. Der Ort, benannt nach einem im Krieg gefallenen Comandante der Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (Farc), liegt ganz im Süden des Landes, in der Provinz Putumayo. Ein paar Kilometer weiter beginnt der Regenwald Amazoniens. 530 Kämpferinnen und Kämpfer der ehemaligen Guerilla haben sich dort Mitte Dezember vergangenen Jahres versammelt…