Toni Keppeler

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Der Korridor des Todes

Fünfhundert Milliarden Pesos sind viel Geld. Fünfhundert Milliarden, das ist eine Fünf mit elf Nullen dahinter. Kolumbianer sind es gewohnt, mit großen Summen zu jonglieren, aber fünfhundert Milliarden sind selbst für sie zuviel. Man drückt es leichter in US-Dollar aus, dann sind es gut 120 Millionen. So viel Geld haben Migranten auf dem Weg von Necoclí…

Der entführte Federschmuck

Hernán Cortés war nicht willkommen. Als der spanische Eroberer im November 1519 mit seinem Heer auf Tenochtitlán zu marschierte, schickte ihm Moctezuma II., der Herrscher der Azteken, eine Delegation entgegen. „Es kamen nun wieder einige Gesandte, unter ihnen einer, von dem man mir sagte, dass er ein Bruder Moctezumas sei”, schrieb Cortés in seinem Bericht über dieses Treffen an Carlos I.,…

Der Leuchtturm soll schweigen

Nayib Bukele erzählt gerne Geschichten. Manchmal stimmen sie ein bisschen, meist aber stimmen sie nicht. Und weil der 39-jährige Werbefachmann seit dem 1. Juni vergangenen Jahres Präsident von El Salvador ist, erzählt er am liebsten von sich selbst und davon, wie erfolgreich er das kleine zentralamerikanische Land regiert. Nayib Bukele ist selbstverliebt…

Das Geräusch einer Klinge auf Knochen

Der Weg nach Puerto Merizalde führt in die Wildnis. Die einzige Verbindung in dieses Dorf mitten im Dschungel geht über Buenaventura, die mit knapp einer halben Million Einwohner wichtigsten Hafenstadt Kolumbiens. Sie ist umtriebig, laut, schmutzig und gefährlich. Buenaventura ist bekannt für grausame Morde…

Die Banane und der Tod

Der Tod der Banane hat einen langen Namen. Er heißt Fusarium oxysporum forma specialis cubense tropical race 4. Kaum jemand kann sich das merken. Experten, die mit ihm zu tun haben, nennen ihn deshalb nur kurz „Fusarium” und bisweilen noch kürzer „TR4”. Die Sensationspresse schrieb vom „Killer-Pilz”. Was er anrichtet,…

Die Albtraum-Republik

Fiktion und Wirklichkeit liegen in Haiti oft nahe beieinander. „Ich hatte Joseph gesagt, dass während meiner Abwesenheit das Geschäft weitergehen solle wie üblich“, schrieb der britische Erfolgschriftsteller Graham Greene in seinem 1966 erschienenen Haiti-Roman „Die Stunde der Komödianten“. „Denn wer wusste, ob sich hier nicht ein paar Journalisten einige Tage aufhalten wollten, um eine Reportage über ein Land zu schreiben,…

Sie nannten ihn Carlos Vanzetti

„Er war gefürchtet, arrogant, musste Recht haben, teilte aus“, schrieb sein Schüler, Kollege und Freund Dagle Avilés in einem Nachruf. „Er war anspruchsvoll und konnte um der Sache Willen auch repressiv sein.“ Carlos Vanzetti war, gelinde gesagt, kein einfacher Mensch. Mindestens ein Dickkopf, schon allein aus Gründen der Physiognomie: beeindruckende 62 Zentimeter Schädelumfang, umflort von dünn gewordenen graublonden Locken…

Die Angst vor dem Frieden

Noanamá liegt verloren im Dschungel. Rund 800 Menschen wohnen hier, und sie wissen auch, warum: Sie wollen in Ruhe gelassen werden. Zwei oder drei Familien der Emberá-Wounaan leben hier, alle anderen sind Afrokolumbianer. Ihre Vorfahren waren Sklaven. Sie waren entlaufen und haben sich in diesem unwirtlichen Gebiet versteckt. Der Dschungel rund um Noanamá gehört zu den regenreichsten Gegenden der Welt…

Erinnerung an Hugo Chávez, Simón Bolivar und andere Helden im Zentrum von Caracas.

Hugo Chávez ist tot

Venezuela ist ein seltsames Land geworden, widersprüchlich, bisweilen fast absurd. Da wird von einer humanitären Katastrophe gesprochen, von an die neunzig Prozent der Bevölkerung, die in Armut leben, von politischer Konfrontation und Repression. Es gibt einen Präsidenten und einen zweiten, der sich mit einer fadenscheinigen Berufung auf die Verfassung selbst zum amtierenden Präsidenten ernannt hat…

Die zwei Seiten der Barrikade

Wenn man einfach nur die Geschichte einer Familie erzählen will und dabei alle Namen unterdrücken muss, dann stimmt etwas nicht in diesem Land. Diese Geschichte handelt von einer Familie in Nicaragua und es werden keine Namen genannt. Nicht die von Personen, die geschützt werden sollen, damit sie nicht zu Opfern werden. Aber auch nicht die Namen von denjenigen,…