Blüten in einer sozialen Wüste

Wie sich eine junge Generation von Künstlern im gewalttätigen El Salvador Raum für die eigene Entfaltung schafft.

Von Toni Keppeler

El Salvador, hat US-Präsident Donald Trump einmal gesagt, das sei – zusammen mit Haiti und ein paar afrikanischen Ländern – ein „Shithole“. Er hatte damit gar nicht so unrecht: Das kleinste Land Zentralamerikas, gerade halb so groß wie die Schweiz, nimmt seit Jahrzehnten auf der Liste der Länder mit den im Verhältnis zur Bevölkerung meisten Morden einen der ersten drei Plätze ein; meist ist es der erste. Auf jeden Mord in der Schweiz kommen bis zu 200 Morde in El Salvador. 90 Prozent der Flüsse und Seen sind verseucht, und doch bezieht der arme Teil der Bevölkerung daraus sein Trinkwasser. 95 Prozent der einst dort stehenden Wälder sind abgeholzt. Das Land ist eine soziale und ökologische Wüste.

Und doch blüht in dieser Wüste seit wenigen Jahren ein kleines, noch zartes Pflänzchen der Kultur. Junge Leute, die alle ein bisschen verrückt sind und glauben, man könne in diesem Land Künstler sein und davon leben – und die meisten schaffen es sogar, irgendwie. Es gibt Schauspieler, Maler, Schriftsteller, Musiker; sogar ein halbes Dutzend Filmemacher. Es gibt unglaubliche Karrieren: Ein junger Mann aus einem Armenviertel unter der blutigen Fuchtel einer Jugendbande ist heute ein lokaler Hip-Hop-Star. Eine ehemals ambulante Händlerin vom Zentralmarkt ist Schauspielerin und war mit ihrer Truppe – alles ehemalige Marktfrauen – schon in Spanien auf Tournee. Sie alle beziehen ihre Themen und Anregungen aus diesem gewalttätigen und heruntergekommenen Umfeld. Und sie rebellieren dagegen. „Wir sind es satt, wie dieses Land ist“, sagt die Wandmalerin Malu Saenz. „Wir müssen intervenieren.“

El Salvador war lange auch in kultureller Hinsicht eine Wüste. In den 1980er-Jahren wütete ein blutiger Bürgerkrieg, Intellektuelle und Künstler waren für die Militärs mindestens asozial, wenn nicht Kommunisten, und beides konnte damals tödlich sein. Auch der linken Guerilla waren freie Denker suspekt. Roque Dalton, der wohl bedeutendste Schriftsteller des Landes, kämpfte im „Revolutionären Volksheer“ (ERP). Er wurde von seinen eigenen Genossen wegen seiner oft sehr eigenen Meinung für einen Spion der USA gehalten und 1975 erschossen. Wer fliehen konnte, floh.

Nach dem Friedensvertrag von 1992 kehrten zwar viele Künstler zurück, aber sie blieben nicht lange. Sie hatte ihre Hoffnung in den zur Partei gewordene vorigen Guerillaverband FMLN gesetzt. Der Kulturbegriff der Revolutionäre aber war eher stalinistisch: Kunst ist Propaganda für die Revolution. Kein Raum für künstlerische Entfaltung. Zurück blieben nur ein paar junge Verrückte. „Es gab eine Kleinkunstkneipe, es gab eine Rock-Szene und es gab Bars, in denen junge Poeten Gedichte vortrugen“, erinnert sich Elmer Menjívar, einer der wenigen Kulturjournalisten des Landes. „Aber wir waren Studenten und lebten vom Geld unserer Eltern. Irgendwann mussten wir selbst etwas verdienen.“ So verendete auch diese kleine Szene.

Das, sagt Menjívar, sei einer der wesentlichen Unterschiede zu heute: „Man kann jetzt mit Kultur Geld verdienen; nicht viel, aber immerhin.“ Vor ein paar Jahren haben internationale Institutionen wie Unicef, Entwicklungsagenturen wie USAid und Hilfswerke wie Oxfam die Kultur als Werkzeug entdeckt. Schauspieler, Maler, Filmemacher und Musiker werden unter Vertrag genommen, um in Problemvierteln Workshops zu leiten. Kultur als Gewaltprävention. Der Rapper Snif, der schon bei mehreren Workshops mitgearbeitet hat, sagt es so: „Ein Rapper mehr ist ein Mörder weniger.“

Inzwischen gibt es einen Treffpunkt für die noch junge Szene: die „Casa tomada“, auf deutsch „das besetzte Haus“. Es ist nicht besetzt, es wurde von der neuen Kulturszene übernommen. Die spanische Botschaft bezahlt einen Teil der Miete, den Rest übernehmen ein Fotostudio, eine Tattoo-Studio, eine kleine Druckerei, ein Verlag, eine Video-Produktionsgesellschaft und ein Café, die dort untergekommen sind. Dazu kommen Einnahmen aus einem kleinen Kino und einem Theatersaal.  Dieses Zentrum, sagt Menjívar, habe die Szene explodieren lassen. „Man trifft andere und sieht: die machen das, was ich auch machen will, und es ist möglich.“ Snif schätzt an diesem Treffpunkt das, was er „kolaborative Ökonomie“ nennt: „Eine Schauspielerin hat mir beigebracht, wie ich mich besser auf der Bühne bewege“, erzählt er. „Malu Saenz hat mir das Cover für meine letzte CD gemacht.“

Auch international ist Austausch und Informationsbeschaffung viel leichter geworden. „Früher hatten wir keine Ahnung, was in anderen Ländern geht“, sagt Menjívar. Er hatte das Glück, dass der Rektor der Universität, an der er studierte, eine Abonnement der spanischen Tageszeitung „El País“ hatte – eine Seltenheit, die lange nach dem Erscheinungsdatum eintraf. Menjívar durfte sich den Kulturteil ausleihen. „Das war meine einzige Verbindung zur kulturellen Welt.“ Heute kann man in El Salvador genauso wie anderso übers Internet lesen und sich vernetzen.

Und noch etwas hat die Digitalisierung ermöglicht. Die Filmemacherin Brenda Vanegas etwa hat ihre ersten filmischen Experimente mit einer Digitalkamera für 200 US-Dollar gedreht. „Zehn Jahre früher wäre das undenkbar gewesen“, sagt sie. „Die Geräte und das Material waren unbezahlbar.“

Das alles sind materielle Voraussetzungen, die das Entstehen der Szene möglich gemacht haben. Viel wichtiger aber ist: Für diese neue Generation von Künstlern ist der Bürgerkrieg Geschichte, allenfalls eine vage Erinnerung. Man muss sich nicht mehr auf die eine oder andere Seite schlagen oder ins Exil gehen, wenn man überleben will. Künstler sind heute freier. Der Krieg spielt nur deshalb noch immer eine Rolle, weil sich man sich mit seinen gewalttätigen Hinterlassenschaften herumschlagen muss. Vanegas sagt: „Ich wurde viel mehr durch die Gewalt in meinem Elternhaus geprägt als durch die Gewalt im Krieg.“ Der Vater der Schriftstellerin Elena Salamanca wurde ermordet, als sie neun Jahre alt war. Ein „gewöhnlicher“ Mord und einer der vielen, die nie aufgeklärt wurden. Man findet dieses Motiv immer wieder in ihren Erzählungen.

„Man macht nicht mehr Kultur für die Revolution“, sagt Menjívar. Die neue Generation bezieht ihre Themen aus dem heutigen El Salvador. Die Truppe der Schauspielerin Magdalena Hernández verarbeitet in ihren Stücken Erfahrungen vom Zentralmarkt: Gewalt, Hehlerware, Probleme mit der Polizei. Die Gruppe hat es damit bis ins Nationaltheater gebracht. „Wir haben dort der Elite einen Teil ihres Landes gezeigt, den sie bis dahin nicht kannte“, sagt Hernández. „Wenn das nur einen zum Nachdenken gebracht hat, hat es sich schon gelohnt.“

Gewalt, Migration, Armut, eine repressive Polizei, die schneller schießt als fragt – die meisten der jungen Künstler haben das selbst erlebt und sie sind es satt. Dagegen begehren sie auf. Die meisten unter prekären Bedingungen. Man lebt von einem Monat zum nächsten, aber es geht. „Anderswo würde man sich einfach irgend einer kulturellen Strömung anschließen“, sagt Menjívar. „Hier muss man sich noch alles selbst schaffen. Das ist schwer, aber es ist auch spannend.“

Snif, 25, Rapper

Seine Solokarriere begann in Bussen. In jenen bis zu fünfzig Jahre alten Schrottmühlen, die in San Salvador den öffentlichen Personenverkehr abwickeln. Die laut sind und langsam und meist überfüllt, und die oft am hellen Tag und mitten im Verkehrsgewühl überfallen werden. Dort ist er aufgetreten, als Rapper, begleitet von Musik aus einem Ghettoblaster. „Da hast du Leute vor dir, die würden nie in ein Hip-Hop-Konzert gehen“, sagt er. „Da ist Beifall noch viel mehr wert.“ Zwanzig US-Dollar hat er so an schlechten Tagen gemacht, das Doppelte dessen, was ein Fabrikarbeiter verdient. An richtig guten Tagen waren es fünfzig.

Heute ist er der bekannteste Musiker seines Genres in El Salvador, gibt Konzerte, tritt in Fernsehshows auf, gibt Workshops für internationale Organisationen. Er wohnt in einem Mittelklasseviertel. Seine Texte holt er sich immer noch aus Bussen, vom Markt, in von Jugendbanden beherrschten Armenvierteln. „Ich bin selbst im Ghetto aufgewachsen“, sagt er. Er nennt solche Viertel nicht „tugurios“ – „Löcher“ – oder etwas feiner „barrios marginales“ – „ausgeschlossene Stadtviertel“, wie man das in El Salvador tut. Er spricht wie ein Rapper. Er ist cool.

Sein Vater ist Schreiner und Prediger einer evanglikalen Kirche, seine Mutter Buchhalterin. „Wir hatten immer etwas zu Essen zu Hause“, sagt er. „Viele meiner Freunde hatten das nicht.“ Er kann verstehen, dass sie sich einer Jugendbande angeschlossen, Schutzgeld erpresst und Morde begangen haben. „Du hast Markenturnschuhe, du hast eine teure Uhr, du hast eine Waffe. Das ist cool“, sagt er. „Aber es ist Scheiße. Viele meiner alten Freunde sind heute tot.“

In der Kirche seines Vaters hat er zum ersten Mal öffentlich gerapt. „Ich habe von Gott geredet und so.“ Daraus ist die erste Hip-Hop-Formation des Landes entstanden, bei der eine Frau mit auf der Bühne stand. Nach drei Jahren flog die Band auseinander. Dann hatte er die Idee mit den Bussen. Er hat an Rap-Wettbewerben teilgenommen, einer Art Boxkampf mit Worten, bei denen der Gegner aus dem Stehgreif erniedrigt wird. Die meisten hat er gewonnen. „Das habe ich heute nicht mehr nötig.“ Erst war er in der Szene bekannt, dann wurden Medien auf ihn aufmerksam, am Ende internationale Hilfswerke. Hin und wieder aber rapt er noch immer in Bussen. „Das ist das Leben, das in meinen Texten vorkommt.“

Noch etwas: Seine Name Snif hat nichts mit Kokain zu tun. Er hat ihn aus einem Comic. Ein Hund weinte. In der Sprechblase stand: Snif. „Das hat mir gefallen.“

Brenda Vanegas, 35, Filmemacherin

Es gibt Dokumentarfilmer in El Salvador. Aber Spielfilme? Sie ist die erste seit Jahren, die einen fertiggestellt hat: „Volar“ – „Fliegen“. Eine nationale Produktion. Mit salvadorianischen Schaupielern, Musikern, Technikern; und mit ihr als Regisseurin. Es war nicht einfach. „Wenn wir jedem von uns tausend Dollar im Monat bezahlt hätten, hätte der Film 400.000 Dollar gekostet“, sagt sie. „Wir haben ihn für 115.000 gedreht.“ Am Ende war sie abgebrannt, ihr Auto verkauft, ihre Firma für Videoproduktionen bankrott. Aber der Film ist fertig.

Es geht um Migration. Eine junge Frau verlässt aus Not El Salvador. Sie geht nach Spanien. Sie verdient ihren Lebensunterhalt damit, dass sie eine alte demente Frau betreut. Es ist ein stiller Film. Es gibt nicht viel zu reden. „Volar“ ist ein Film über die Einsamkeit von Migrantinnen. Er hat viel mit ihrem Leben zu tun.

Als sie sieben Jahre alt war, haben sich ihre Eltern getrennt. Die Mutter ging in die USA zum arbeiten, die Tochter wuchs bei einem Onkel auf. Sie machte Abitur, studierte Kommunikationswissenschaft, arbeitete in einer Video-Klitsche für Werbespots. In ihrer Freizeit schrieb sie die ersten kleinen Drehbücher. Als sie 23 war, starb der Onkel. „Erst da wurde mir bewusst, dass die Beziehung zu meiner Mutter aus ein paar Telefonaten bestand und dem Geld, das sie regelmäßig schickte“, erzählt sie.

Sie ging selbst für eineinhalb Jahre nach New York. „Ich habe in Supermärkten gearbeitet und Spanisch-Unterricht an Schulen gegeben.“ Sie hat gespart, um sich ein Drehbuch-Studium in Spanien leisten zu können. In New York entstand die Idee zu „Volar“. Sie wollte einen anderen Film über Migration machen, keinen über den gefährlichen Weg in die USA. „Das kennt man.“ Was ihr aufgefallen ist: Migranten tun sich meist mit einer Frau zusammen, gründen eine neue Familie und vergessen die zu Hause. Die Migrantinnen aber sind im Kopf immer auch in der Heimat, arbeiten, schicken Geld, sind einsam. „Ich habe das selbst durchgemacht.“

Am Anfang von „Volar“ stand ein Stipendium von 25.000 Dollar. „Damit haben wir angefangen.“ Immer, wenn das Geld ausging, haben sie und ihr Team gearbeitet und neue Töpfe gesucht. So dauerte es drei Jahre. „Am Ende fehlten noch 40.000 Dollar“, erzählt sie. „Wir haben es mit Crowdfunding versucht.“ Und 60.000 Dollar bekommen. „So konnten wir es uns leisten, ein paar Szenen in Spanien zu drehen.“ Und was sie besonderts freut: 40.000 der 60.000 Dollar kamen aus El Salvador. Es gibt Interesse.

Elena Salamanca, 36, Schriftstellerin

Schriftsteller haben es schwer in El Salvador, Schriftstellerinnen noch viel schwerer. „Es gibt keine Stipendien wie für Filme oder Malerei“, sagt sie. Und die wenigen, die trotzdem schreiben, sind überwiegend Männer. „Als Frau ist man da ziemlich einsam.“ Auch sie nennt zwei Männer als Vorbilder: Den 2016 verstorbenen Erzähler und Poeten Ricardo Lindo, „weil er der erste war, der offen schwul war, und weil seine Texte alle Genregrenzen sprengen“. Und Roque Dalton, der 1975 von den eigenen Guerilla-Genossen ermordet wurde und bis heute der bedeutendste zeitgenössische Schriftsteller El Salvadors ist. „Mit Roque hatte ich zuerst Probleme, wegen seiner politischen Vereinnahmung und weil alle jungen Dichter sein wollen wie er“, sagt sie. „Roque war Säufer und ein Genie. Seine Nachahmer sind nur Säufer.“

Mit neun Jahren hat sie angefangen zu schreiben, nachdem ihr Vater ermordet worden war. Zunächst nur Gedichte, nie zur Veröffentlichung. Direkt über den Tod des Vaters hat sie erst 23 Jahre später geschrieben, nachdem sie von einem Kampfhund angefallen worden war. „Ich lag viele Wochen reglos im Krankenhaus und hatte viel Zeit zum Nachdenken.“ Eigentlich hat sie Journalismus studiert und auch ein paar Jahre für eine Zeitung gearbeitet. Inzwischen hat sie einen Roman veröffentlicht, einen Band mit Erzählungen, zwei Gedichtesammlungen und zwei Bände mit Essays. Derzeit arbeitet sie an zwei weiteren Romanen. Ihre Themen: Schmerz und Trauer. Ihre eigene Geschichte. „Ich weiß, meine Geschichte ist alltäglich“, sagt sie. „Gerade deshalb ist sie exemplarisch.“ Davon leben kann sie nicht.

Derzeit hat sie ein Promotionsstipendium. Sie schreibt an einer Arbeit über zentralamerikanische Exilanten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Mexiko. Ansonsten nimmt sie, was kommt und bezahlt wird. Zuletzt hat sie eine Ausstellung junger bildender Künstler im nationalen Kunstmuseum in San Salvador kuratiert. Und sie erledigt regelmäßig Auftragsarbeiten für eine Bank: Sie betextet Bildbände über alle möglichen Themen, über die Flora und Fauna El Salvadors genauso wie über die nationale Malerei des 19. Jahrhunderts. „Das sind Werbegeschenke“, sagt sie. „Das kommt nicht einmal in die Buchhandlungen. Aber es wird ordentlich bezahlt.“ Vom Verkauf ihrer literarischen Bücher bekommt sie nur dann Tantiemen, wenn es eine zweite Auflage gibt, „und die wird nie gedruckt“. Nein, von ihrer Literatur werde sie nie leben können. „Aber ich glaube, dass ich von meinem Denken leben kann.“

Ronald Morán, 46, bildender Künstler

Er ist so etwas wie die Vaterfigur der neuen salvadorianischen Kunstszene. Er war der erste der es geschafft hat. Die jüngeren suchen ihn, wenn sie Rat brauchen, wenn es scheint, als gehe es nicht mehr weiter, wenn sich niemand für ihre Kunst interessiert. Vor allem die Maler kommen, denn er ist selbst bildender Künstler. Ihn Maler zu nennen, wäre zu wenig. Er arbeitet genauso mit Fotografie, mit Skulpturen, Collagen und allem, was dazwischen liegt. Auch er hat harte Zeiten hinter sich. Heute ist er der wahrscheinlich bestbezahlte bildende Künstler El Salvadors.

Sein Atelier liegt gut zwanzig Kilometer außerhalb der Hauptstadt auf dem Land, in einer aufgelassenen Fabrik für Batterien. Hohe helle Räume ohne direktes Licht. Die anderen Hallen haben jüngere Künstler für wenig Geld angemietet. Man nennt das Gelände „la fábrica“ – „die Fabrik“. Ein Treffpunkt der jungen Szene bildender Künstler.

„Ich habe 1990 mit der unabhängigen künstlerischen Arbeit angefangen“, erzählt er. „Natürlich konnte ich nicht davon leben. Ich war froh, wenn hier und da ein Stück von mir ausgestellt wurde.“ Er hat Grafik Design studiert, dann als Illustrator für Tageszeitungen und Zeitschriften gearbeitet, ein paar Jahre auch in einer Kulturbehörde. „Hin und wieder hat sich eine Galerie aus dem Ausland für meine Arbeiten interessiert und manchmal sogar etwas verkauft.“ Sein erstes Geld als freier Künstler wurde von einer Galerie aus Costa Rica überwiesen. „In El Salvador hat sich lange keiner für mich interessiert“, sagt er. „Hier glaubt man, dass nur gut ist, was aus dem Ausland kommt.“

So wurde er in El Salvador erst wahrgenommen, als er Erfolg im Ausland hatte. Seine Werke werden heute in Costa Rica, Kolumbien und den USA verkauft, und vor allem in Italien. „Ein Salvadorianer und sein Blick auf die Welt sind dort etwas Neues, Frisches.“ Sein Netzwerk aus Galerien hat er sich selbst aufgebaut, mit viel Geduld. Erst 2004 hat er den Sprung gewagt, hat seinen letzten Job gekündigt und lebt seither von der Kunst. „Die Jüngeren haben gesehen: Es ist möglich“, sagt er. „Auch dieses Land kann eine Plattform sein.“ Besuche von Galeristen aus dem Ausland in „la fábrica“ sind keine Seltenheit mehr.

Die jüngeren Künstler hätten es heute leichter und schwerer zugleich, sagt er. Leichter, „weil es keine Zensur und keine Verfolgung mehr gibt wie zu Zeiten des Kriegs“. Und schwerer, „weil du heute die Regierung mit deinem Werk noch so hart kritisieren kannst. Niemand regt sich darüber auf“.

woz, 30.8.2018