Der Architekt der Macht

Hato Hasbún war einer der wenigen strategischen Denker der FMLN in El Salvador. Vergangene Woche ist er gestorben.

Von Toni Keppeler

Anfang der siebziger Jahre war er einer der frühen Guerilleros der Volksbefreiungskräfte El Salvadors (FPL), der größten Gruppierung der später entstandenen FMLN. Und doch hat er nie mit der Waffe in der Hand gekämpft. „Ich bin einer dieser Scheißintellektuellen aus der Mittelschicht“, hat Hato Hasbún einmal gesagt. Kein Teil der revolutionären Klasse. „Aber man braucht uns, wenn man eine Revolution machen will.“ Vor 1980 half er, ein breites Netz ziviler Oppositionsgruppen, den sogenannten Revolutionären Volksblock, als legalen Flügel der FPL aufzubauen; im Bürgerkrieg (1980 bis 1992) war er im diplomatisch-politischen Dienst der FMLN. Er hielt die Kontakte zu Kuba, war in Mexiko und Nicaragua. Er war der Stratege, der die FMLN 2009 an die Macht brachte. Seither war er Minister in unterschiedlichen Ressorts.

Hato Hasbún war Sohn palästinensischer Einwanderer. Er hat zunächst Augenoptiker gelernt und später akademische Titel gesammelt, vor allem in Soziologie und Journalismus. Ein Intellektueller eben und einer der ganz wenigen strategisch denkenden Köpfe der FMLN. Nach dem Krieg war er eine Zeitlang Professor an der Zentralamerikanischen Universität von San Salvador (UCA) und verantwortlich für die internationalen Beziehungen der Hochschule. Er hat dabei die Parteiarbeit nie aus den Augen verloren.

Am liebsten war Hasbún im seinem Büro, öffentliche Auftritte waren ihm zuwider. Wenn er nach draußen ging, dann traf er sich in Hinterzimmern. Auf seine etwas grantige, aber immer kumpelhaft-freundliche Art konnte er mit allen; nicht nur mit den sich oft bekriegenden Flügeln der FMLN. Er setzte sich auch mit Unternehmern und selbst mit rechtsextremen Präsidenten zusammen und oft hat er sie über den Tisch gezogen.

An der UCA entdeckte Hasbún den Journalisten Mauricio Funes. Er machte ihn zunächst zum Leiter des dortigen Dokumentarfilm-Zentrums und brachte ihn später als Chefredakteur bei einem regierungskritischen Fernsehsender unter. Die Interviews von Funes waren Kult. Es kostete Hasbún sieben Jahre, bis er seine Partei davon überzeugt hatte, dass sie nur mit diesem populären Parteifremden eine Präsidentschaftswahl gewinnen konnte, weil dann auch Bürgerliche für sie stimmen würden. 2009 war es soweit. 17 Jahre nach dem Ende des Kriegs kam die FMLN an die Macht.

Die Ministerämter und die damit verbundenen öffentlichen Auftritte haben Hasbún geschlaucht. Er arbeitete bis zum Umfallen, hat Krankheiten nie richtig auskuriert. Am 30. August ist er in San Salvador 71-jährig gestorben.

woz, 7.9.2017