Was zwei Drohnen zu sagen haben

Über das gescheiterte Attentat auf Venezuelas Präsidenten Nicolás Maduro. Ein Kommentar.

Von Toni Keppeler

Es wird viel Blödsinn geredet und geschrieben über die Drohnen von Caracas. Keine zwei Stunden nach dem gescheiterten Attentat auf Venezuelas Präsidenten Nicolás Maduro am Samstag sagte dieser im Fernsehen, Juan Manuel Santos, der konservative Präsident des Nachbarlandes Kolumbiens, habe die ferngesteuerten Flugkörper geschickt. Ohne den Hauch eines Beweises. Die beiden haben sich zwar oft und heftig gekabbelt, aber dass Santos zwei Tage vor dem Ende seiner Amtszeit so ein Attentat geplant haben könnte, darauf muss man erst einmal kommen. Lieber hinterlässt er den schwierigen Nachbarn seinem ungeliebten Nachfolger Iván Duque.

Internationale Zeitungen schreiben noch Tage später von „angeblichen“ Drohnen, gerade so, als hätte es sie nicht gegeben. Unzählige Augenzeugen haben sie gesehen, auch solche, die nicht der Maduro-Treue verdächtig sind. Die selben Zeitungen können sich darüber freuen, dass ein Teil der Nationalgarde, deren Parade Maduro gerade abnahm, bei der Explosion einer – vielleicht gar nicht vorhandenen – Drohne auseinanderstob und Deckung suchte. Das zeige die Schwäche des Regimes.

Das Gegenteil ist richtig. Maduro – ob man ihn mag oder nicht – wird durch das Attentat gestärkt. Es zeigt die Schwäche der Opposition. Die Massendemonstrationen des vergangenen Jahres haben sich längst verlaufen. Wenn heute auf die Straße gegangen wird, dann in überschaubarer Zahl in den Stadtteilen und mit ganz konkreten Anliegen: dass es kein Wasser gibt oder keinen Strom. Angesichts von Lebensmittelknappheit und Hyperinflation sind die Menschen mit dem Überleben beschäfftigt. Wenn sie protestieren, dann geht es um ihre eigenen dringendsten Angelegenheiten. Die oligarchischen Zirkel der Opposition sind ihnen egal, sie haben ohnehin nichts anzubieten. Diese Zirkel sitzen längst nicht mehr einig an einem „Runden Tisch für die Demokratie“, sondern sind in sich zerstritten und haben sich mehrfach gespalten.

Natürlich gibt es viel Unmut über Maduro, auch in Kreisen ehemaliger Soldaten der mehrfach von Regimekritikern gesäuberten Armee. Vieles deutet darauf hin, dass ein paar dieser Unzufriedenen bei einem Internethändler zwei Drohnen bestellt haben, um vorher unterschlagenen Plastiksprengstoff daran zu kleben. Ein dilettantischer Versuch, wenn man weiß, wie leicht solche Dinger abzuschießen sind und wie sehr Maduro geschützt wird. Für große Verschwörungstheorien, inklusive Kolumbiens und der USA, taugt ein solcher Anschlag nicht. Geheimdienste sind heute intelligenter.

woz, 9.8.2018